In den nachstehenden Reports finden sie kurze Erlebnisberichte, in denen die Künstler Walter Filler und Doris Pikal sowie auch andere Personen aus dem Team uns am Laufenden zur Entwicklung des Projektes

Report

Nicht oft hat man das Glück, einem Oldtimer am Wiener Neustädter Kanal so nahe zu kommen. Walter war zur rechten Zeit am rechten Ort.
Schnittige Sportwagen, so meint man, seien vorwiegend eine Männerdomäne. Hier traf das nicht zu. Es war nicht der Vater mit dem Sohne, sondern mit der hübschen Tochter unterwegs.

Der Ausgangspunkt für unseren heutigen "Quer durchs Land"-Trip sollte Laxenburg sein.
Verwöhnt von den Männern, die mich bisher überallhin chauffierten, musste ich heute selbst ans Steuer, noch dazu mit einem Anhänger, auf dem unsere Fahrräder montiert waren.
Die Aufregung begann bereits nach den ersten Metern. Die Benzinuhr zeigte kaum Sprit an, obwohl mein Mann erst vor kurzem getankt hatte.

Auf einer Bühne zu stehen ist nicht jedermanns Sache. Umso größer war die Herausforderung für Walter Filler und mich.

Mit einem flauen Gefühl im Bauch stieg ich in Podersdorf aus dem Wagen. Walter brachte mich zur Servus TV Bühne. Vor dem Podium standen Liegestühle. Ein Mann mit einer Gitarre betrat die Bühne. Nach einer kurzen Soundprobe begann er zu spielen. Nun konnten wir sehen wie die Show abläuft. Als sein Auftritt vorbei war, kamen wir dran.

Auf unserer Reise rund um den Wiener Neustädter Kanal besuchten wir Bad Vöslau. Nur ein klein wenig abseits des pulsierenden Stadtlebens, fanden wir die Stille in den angrenzenden Parkanlagen; im etwas höher gelegenen Kurpark ebenso, wie im Stadtpark rund um das Rathaus.

Wer am Wiener Neustädter Kanal unterwegs ist, wird feststellen, dass einem hier die unterschiedlichsten Menschen begegnen; Alte und Junge, Fröhliche und solche, die man lieber nicht anspricht, Singles und Pärchen, sportliche Einzelgänger, erholungssuchende Familien, Jogger und Hundebesitzer mit ihren vierbeinigen Freunden.

Das Buchprojekt über den Wiener Neustädter Kanal schreitet voran. Es steckt viel mehr Arbeit und Aufwand dahinter, als es für Unbeteiligte den Anschein hat. Pro Ausflug werden viele Aufnahmen gemacht, die vorerst nur archiviert werden. Bis man von jedem Motiv die besten Lichtverhältnisse hat, braucht es mehrere Anläufe. So sind wir viel unterwegs und die Temperaturen verlangen uns auch einiges ab.

Es war ein traumhafter Sommertag. Nach dem Fotoshooting am Kanal fuhren wir nach Schönau an der Triesting, um Bilder vom Ort zu machen. Wir fotografierten das Heimatmuseum, die Kirche und den Platz davor, ehe wir zu den Seen fuhren, um den Sonnenuntergang festzuhalten. Am Abend zuvor war ich unterwegs gewesen und wusste, dass wir für eine tolle Stimmung noch mindestens zwei Stunden warten mussten. Walter hatte seine Familie mitgenommen.

Unsere Ausflüge am Kanal starteten immer in Wiener Neustadt. Wir hatten auch schon mehr als die Hälfte der Strecke erkundet, aber es nie bis zum Ende des Kanals, der Mündung geschafft. Diesmal wollten wir genau dort beginnen. Mein Mann brachte uns mit dem Auto nach Biedermannsdorf. Die Räder hatten wir auf dem Anhänger untergebracht.
Auch Daniel, mein Sohn, war mit dabei, um wieder einmal Fotos von uns beiden zu machen.

Still und ruhig lag die Landschaft rund um den Kanal vor uns. Ich ließ meine Augen herumschweifen. Das ebene Gelände gab den Blick in die Ferne frei.
Bisher beneidete ich ein wenig die Radfahrer, die weiter als wir, die wir zu Fuß unterwegs waren, vordringen konnten. Heute waren auch wir mit den Rädern unterwegs und zum ersten Mal konnte ich den bisher erblickten Horizont überschreiten.

Es war schon später Nachmittag, aber die Sonne hatte an Kraft noch nichts verloren. Walter und ich saßen auf der Bank neben dem Kanal und warteten auf unser Fotomodell. Dann kam Gerry; nicht allzu groß, schlank, braungebrannt, weiße Hose, schwarzes Poloshirt und Sonnenbrille. Als er seine Gitarre aus dem Auto holen wollte winkte Walter ab.

Nachdem wir das Auto hinter dem Domplatz abgestellt hatten, marschierten wir durch die Stadt. Ich war schon öfter hier gewesen, aber so bewusst wie an diesem Tag hatte ich sie noch nie wahrgenommen. Ich knipste den Dom und den schönen Brunnen davor. In den Geschäftsstraßen lockten viele Angebote zum Stehenbleiben und Schauen, aber wir waren nicht hier, um einzukaufen. Walter führte seine Ausrüstung in einem Trolley mit, den er hinter sich her zog und abstellte, wenn er fotografierte. Auf dem Hauptplatz herrschte reges Treiben; es war Markttag. Obst und Gemüsestände präsentierten ihre Waren. Bei den rotbackigen Marillen konnte ich nicht widerstehen und kaufte mir ein gutes Kilo der herrlichen Früchte. Wunderschöne Blumen in Töpfen oder zu bunten Sträußen gebunden erfreuten das Auge. Walter war nicht ganz zufrieden. Für jene besonderen Bilder, die er machen wollte, fehlte einfach die Sonne. In der Hoffnung, dass sie sich bald zeigen würde, gingen wir in den Stadtpark. Diesen Teil der Stadt kannte ich überhaupt nicht. Beim Pavillon und danach beim Teich zeigte sich im Westen blauer Himmel, und ab und zu verirrten sich ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken. Wir setzten uns auf eine Bank und warteten, dass die Sonne siegen und endlich durchbrechen würde. Walter ließ sich zum Genuss von ein paar Marillen verführen.
Unsere Hoffnung auf Sonnenschein erfüllte sich an diesem Vormittag nicht und wir fuhren wieder nach Hause.

Nahezu jede unserer Fotoreisen startet hier beim Bootsverleih des Wiener Neustädter Kanals. Von der Brücke davor kann man beinahe bis zu seinem Ursprung sehen, dort, wo er nach dem E-Werk in einem Wasserfall in sein Bett stürzt.
Auch diesen Tag haben wir hier begonnen. Ich ging ganz nahe ans Ufer und sah in das klare Wasser. Kleine Fische tummelten sich in der Mitte und flussaufwärts sah ich ein paar Enten dahinziehen. Noch waren kaum Autos oder Fußgänger unterwegs. Eine friedliche Stille nahm mich gefangen. Ich setzte mich auf die Bank, um meine Eindrücke niederzuschreiben, während Walter bereits fotografierte.
Die Sonne ließ sich noch nicht blicken; im Gegenteil, es grummelte hinter uns in den dunklen Wolken. Der heißeste Tag des Jahres war angekündigt, aber das Wetter sah nicht danach aus.
Beide stellten wir uns noch einmal auf die Brücke. Wir ließen unsere Blicke über den Kanal schweifen, der, gesäumt von Bäumen, ruhig dahinfloss, ehe wir uns einem weiteren Ziel zuwandten

Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer. Dieses Mal waren wir mit den Rädern unterwegs. Von Lichtenwörth aus planten wir bis nach Baden zu fahren. Wir ließen die Hauptstraße hinter uns, fuhren unter der Bahntrasse durch und kamen zu jener Stelle am Kanal, an der wir uns mit dem Team zum ersten Mal getroffen hatten.

Jedes Mal, wenn ich mit Walter unterwegs bin, staune ich, was er alles fotografiert. Sehen musste ich wieder lernen, sehen wie ein kleines Kind; unter tausenden Blumen eine finden, die für mich einzigartig ist.